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Schwarz ist die Hoffnung

 

 

Von Benedikt Becker, Katharina Gelhaus und Kathrin Wiewe

Zwischen Schleppern und Bürgerkrieg: Raphael aus Syrien lebt seit vier Jahren in Deutschland,  seine Familie ist zerrissen. Alle seine Anstrengungen sie zu sich zu holen, scheitern an den Behörden. Seine letzte Hoffnung ist illegal – und lebensgefährlich.

 

Die Nachricht von einem toten Kind, davor hat Raphael am meisten Angst. Die Nachricht von einem Kind, das von Islamisten getötet wurde, das verhungert ist. Raphael wohnt in München, seine Schwester Samia mit ihren Kindern in Syrien. Er hat seine Nichten und seinen Neffen noch nie gesehen. Sie sind zwei, vier und sechs Jahre alt. Seit Beginn des Bürgerkrieges verstecken sie sich, leben ohne Strom und fließendes Wasser, mit wenig Essen und wenig Geld.

Raphael arbeitet jeden Tag, um ihnen zu helfen, wechselt mehrmals den Job. Immer, um noch mehr Geld zu verdienen, wie er sagt. Zuerst fährt er Gabelstapler, überall im Großraum München, wann immer der Chef ihn anruft, manchmal trotz Krankheit oder Verletzung. Danach kellnert er in einem Restaurant. Mittlerweile ist er Vorarbeiter und Übersetzer auf einer Baustelle. Manchmal spricht er dort Deutsch, manchmal Arabisch, seltener auch seine Muttersprache Aramäisch. Bei der Agentur für Arbeit hat Raphael  ein Bewerbungstraining besucht. Er hat gelernt, wie er Anschreiben gezielter formuliert, am Computer ansprechend formatiert.

Raphael ist 26, seit vier Jahren lebt er in Deutschland. Er ist der zweitälteste von vier Geschwistern. Neben seiner älteren Schwester Samia, 29, hat er noch zwei jüngere Brüder. Luqa, 23, hat Raphael vor eineinhalb Jahren nach Deutschland geholt. Hunayn, 24, ist vor vier Jahren in den Libanon geflohen. In Syrien gehört ihre Familie zur Minderheit der orthodoxen Christen.

Raphael will seine Geschwister zu sich nach Deutschland holen. Er sucht Rat beim Bayerischen Flüchtlingsrat, wendet sich an den Suchdienst des Deutschen Roten Kreuzes und an die christlichen Kirchen. Auch an die bayerische Staatsregierung schreibt er einen Brief – immer bekommt er dieselbe Antwort: Man könne wenig tun. An dieser Aussage hat sich seit vier Jahren nichts geändert.

Für Raphael ist klar: Auf den offiziellen Weg kann er sich nicht verlassen.

Raphael heißt in Wirklichkeit anders. Seinen Namen und die seiner Geschwister will er unbedingt geheim halten. Er hat Angst. Wegen ihrer Zukunft. Und wegen seiner Vergangenheit.

Raphael hat vor vier Jahren einen Asylantrag gestellt. Er hat den deutschen Behörden die Gründe für seine Flucht erzählt, dass er in Syrien auf einer “schwarzen Liste” stehe, nicht mehr zurück könne. Doch die Behörden glauben ihm nicht. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge urteilt: Raphael war kein Mitglied der syrischen Geheimpolizei. Er wurde nicht an verschiedenen Waffen ausgebildet. Er bekam nicht den Befehl, einen Gegner des Assad-Regimes zu erschießen, mitten auf der Straße, wo Kinder spielten. Raphael hat diesen Befehl auch nicht verweigert. Kein Befehl, keine Verweigerung. Wenn es nach dem Urteil der deutschen Behörden geht, hat Raphael seinen Offizier deshalb auch nicht erschossen. Deutschland hat entschieden: Raphael hatte keinen Grund, politisches Asyl zu beantragen.

Seine Geschichte ist wahr, sagt Raphael. Das habe er auch den Behörden immer wieder erklärt. Es half nicht. Raphaels Asylantrag wurde abgelehnt, er wurde für drei Monate geduldet. Nach Ablauf der Frist wurde die Duldung immer wieder verlängert. Welchen Aufenthaltsstatus er heute habe? Dazu schweigt Raphael. Den Einbürgerungstest habe er jedoch bereits bestanden, sagt er.

 

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Hunayn, der kleine Bruder

 

Hunayn wohnt mit Zehntausenden anderen Flüchtlingen in einem Auffanglager nahe Beirut, der Hauptstadt des Libanons. Seit vier Jahren wartet er auf die Möglichkeit, seinem Bruder nach Deutschland zu folgen. In den Flüchtlingslagern kommt es seit diesem Jahr vermehrt zu Kämpfen der Bewohner untereinander. Der Konflikt zwischen Assad-Anhängern, Islamisten und anderen Gruppen lebt dort weiter. Mehr als eine Million Flüchtlinge aus Syrien leben nun im Libanon, fast alle suchen Arbeit. Hunayn hatte in den vier Jahren nur einmal eine feste Stelle, als Hausmeister. Als die Besitzer des Hauses erfahren, dass er Syrer ist, kündigen sie ihm sofort wieder. „Leute nehmen Jobs an, bei denen sie 20 Dollar im Monat bekommen und sind zufrieden damit. Dort kann man keine normale Arbeit mehr finden“, sagt Raphael. Hunayn sucht Leute, die Hilfe brauchen und arbeitet ohne Bezahlung, solange er eine Mahlzeit bekommt.

Im März 2013 beschließt das deutsche Bundesinnenministerium ein erstes Aufnahmeprogramm für 5000 syrische Flüchtlinge. Sie werden anhand verschiedener Kriterien ausgewählt. Familiäre Beziehungen gehören dazu, humanitäre Gründe wie der Schutz religiöser Minderheiten auch. Sofort registriert sich Hunayn bei den Vereinten Nationen als Flüchtling. Er bekommt eine Nummer. In Deutschland beantragt Raphael die Familienzusammenführung. Er wendet sich an das UN-Flüchtlingskommissariat UNHCR, das Deutschland bei dem Aufnahmeprogramm unterstützt. Raphael und Hunayn hoffen, vergeblich.

Als die Bundesregierung im Juni dieses Jahres verkündet, weitere 10.000 Flüchtlinge aufzunehmen, ruft Raphael erneut bei allen Verwaltungstellen an. Er verweist auf seinen laufenden Antrag, fragt nach, was er noch tun könne. Die Chancen stünden schlecht, es seien einfach zu viele, bekommt er als Antwort. Raphael verspricht den Beamten, für seine Familie zu sorgen, ihr Essen, ihre Miete zu bezahlen, wieder vergeblich.

Raphael kann nicht verstehen, dass so viele kommen können, seine Familie jedoch nicht. ”Ich kenne jemanden, der zehn Leute nach Deutschland geholt hat. Warum verdient er es und ich nicht? Ich bezahle alle Steuern, ich mache alles, ich würde bezahlen, was sie wollen. Das ist doch komisch. Wieso klappt es bei mir nicht?”

Raphael fährt nach Frankfurt, Koblenz und Stuttgart, bittet Bekannte und entfernte Verwandte, die Anträge für seine Familie auch in den anderen Bundesländern zu stellen. Ohne Erfolg. Mittlerweile sind die Auswahlverfahren weitestgehend abgeschlossen; ein neues Programm ist nicht in Sicht.

Wenn Raphael seinen Bruder vermisst, ruft er ihn an. Die beiden telefonieren fast täglich. Sie sprechen darüber, was es Neues gibt, machen sich gegenseitig Mut. Raphael ermahnt Hunayn immer wieder, ruhig zu bleiben, nichts Unüberlegtes zu tun, damit er nicht im Gefängnis landet. “Wenn mein Bruder tot ist, dann ist mein Herz gestorben”, sagt Raphael. “Ich muss ihn da rausholen.”

Den Glauben an die Behörden hat nicht nur Raphael schon lange verloren. Vielen seiner Freunde ergeht es ähnlich. „Die Deutschen haben Angst, dass die Syrer einfach bleiben“, sagt er. Raphael hat gelernt, dass der offizielle Weg nicht seine einzige Chance ist. “Mein Bruder kommt”, sagt er und es klingt wie ein Versprechen.

Das war im Sommer 2013 bei einer ersten Begegnung. Raphael sitzt in einem Café im Münchner Westen. Mit Geld kannst du alles machen, sagt er. Aber Geld sei ihm nicht wichtig. Die Menschen seien wichtig. Raphael ist bereit, für seine Geschwister alles zu versuchen. Was auf legalem Weg nicht möglich ist, muss eben anders klappen. Er kennt den illegalen Weg nach Europa – aus eigener Erfahrung. Raphael holt tief Luft und beugt sich leicht nach vorne. Er lächelt unauffällig. Sein Blick ist starr und verliert sich irgendwo in der Ferne. Seine mandelbraunen Augen fallen jetzt noch mehr auf. Es sind Augen, die viel gesehen haben.

Raphael erzählt seine Geschichte so:

Die Flucht beginnt im Dezember 2009. Das genaue Datum weiß er nicht mehr. Er überquert die syrisch-türkische Grenze an einem Ort, den er nicht preisgeben will, “schwarz”, wie er es nennt, illegal. Raphael hat Schleuser engagiert. 1000 US-Dollar kosten eine sichere Fluchtroute, ein falscher Pass, und die Hoffnung auf ein anderes Leben. Seinen syrischen Pass haben ihm die Schleuser abgenommen. Ihm, und den mehr als 300 anderen Syrern, Afghanen, Irakern, Libanesen, die in derselben kalten Nacht mit demselben Ziel türkischen Boden betreten. Sie alle wollen nach Europa. Die Türkei ist ihre erste Zwischenstation.

Die Schleuser verteilen sie über Städte im ganzen Land. Istanbul, Edirne, Aydin. Raphael kommt zuerst nach Izmir. Nach einer Woche bringen ihn die Schleuser in die Nähe der Küstenstadt Kusadasi. Das Wetter ist schlecht als sie am Strand ankommen. Es stürmt, der Regen ist kalt. Die gegenüberliegende Insel Samos ist nicht zu sehen. Dort wollen sie hin. Raphael hat für die Überfahrt 2000 Dollar bezahlt.

Die Meerenge zwischen Kusadasi und der griechischen Ferieninsel Samos ist eine bekannte Flüchtlingsroute. An den Stränden finden sich Kleidungsstücke, Taschen oder Dokumente, die bei der Flucht ins Wasser gefallen sind. Allein 2013 haben 11.000 Menschen Griechenland über den Seeweg erreicht. Seit die Behörden die Grenze zwischen Griechenland und der Türkei 2012 dicht gemacht haben, sehen viele Flüchtlinge den gefährlicheren Seeweg als ihre einzige Chance. Mehr als 200 Flüchtlinge sind nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Pro Asyl in den vergangenen zwei Jahren in der Ägäis ertrunken. Die Dunkelziffer liege jedoch weit höher.

 

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Samia, die ältere Schwester

 

Raphael schätzt, dass mit ihm ungefähr 60 weitere Flüchtlinge auf dem Boot waren. Eigentlich sei nur Platz für 30 gewesen. Raphael erinnert sich: Alle an Bord hatten Angst. Die Flüchtlinge, die nicht wissen, was passiert. Und die Schleuser, die Waffen dabei haben und schwarze Sturmmasken tragen. Raphael erinnert sich, dass der Fahrer immer wieder dasselbe türkische Wort rief: cabuk, schnell. Sie sind gerade eine Minute gefahren, da dringt eiskaltes Wasser ein. Das Boot beginnt zu sinken, es ist zu voll. “Der Fahrer war blöd”, sagt Raphael. Die Flüchtlinge versuchen, zurück an die türkische Küste zu schwimmen. Raphael schafft es, viele andere nicht. Auch Kinder sterben. Raphael erinnert sich genau: Es waren fünf.

Raphaels Erzählung stockt. Er schluckt, holt tief Luft und denkt nach. Dabei presst er seine Handflächen vor der Brust fest ineinander, so als suche er Halt.

Unvermittelt sagt er: “Ich will das nicht.”

Raphael ist jetzt wieder in Syrien, erzählt von seiner älteren Schwester Samia, und seinen Nichten und dem Neffen, die er nur von Fotos kennt. Er will sie nach Deutschland holen, egal wie. Aber er will nicht, dass sie in Gefahr geraten, so wie er.

Raphael verachtet die Schleuser. “Für die zählt kein Gott, keine Kultur, nur Geld.” Wer nicht bezahlt, wird umgebracht, sagt er. Auch deshalb zweifelt Raphael, ob er seine Schwester und ihre Kinder auf dem illegalen Weg nach Deutschland holen soll.

Gerne würde er Samia fragen, was sie denkt. Doch das kann er nicht. Als Raphael seine Geschichte zum ersten Mal erzählt, hat er seit mehr als drei Jahren nicht mehr mit seiner Schwester gesprochen. Auch heute, mehr als ein Jahr danach, weiß er nur, dass sie mittlerweile ihr Versteck gewechselt hat. Denn seit die Milizen des “Islamischen Staates” (IS) immer stärker wurden, hat sich die Lage verändert. Zuvor hatte sich Samia vor den Soldaten der syrischen Armee versteckt, nun sucht sie bei Assad-Anhängern Schutz vor den IS-Kriegern.

Raphael kann sich nur vorstellen, wie es seiner Familie in Syrien ergeht. Das Geld, mit dem er sie regelmäßig unterstützt, gibt er Bekannten, denen er vertraut. Nur durch sie weiß er immerhin, dass seine Verwandten noch leben.

Raphaels Sprung aus dem Boot endet im Gefängnis von Aydin, einer Großstadt, 80 Kilometer landeinwärts. Die Polizei hatte alle Überlebenden noch im Wasser verhaftet. Im Gefängnis ist Raphael allein in einer kleinen Zelle. Niemand sagt ihm, wie lange er bleiben muss. Er berichtet von grausamen Zuständen. Es habe kaum etwas zu essen gegeben, nur einmal am Tag ein bisschen Wasser. Gegen den Durst habe er aus der Toilette getrunken. Die Gefängniswärter hätten ihn geschlagen. “Die sind wie Tiere”, sagt Raphael.

Nach drei Monaten gelingt ihm die Flucht.

Über Umwege kommt Raphael zurück nach Izmir. Für erneut 2000 Dollar erkauft er einen zweiten Versuch, wieder nach Griechenland. Über Kusadasi gelangt er schließlich auf die griechische Ferieninsel Symi.

Bei der Polizei in Symi gibt Raphael einen falschen Namen an. Er kennt die Drittstaatenregelung, sein Ziel ist Deutschland. Mit einem Feuerzeug brennt er sich die Fingerkuppen weg. An Bord eines Kreuzfahrtschiffs schafft er es nach Athen. Sein Kontaktmann versteckt ihn in seiner Wohnung, organisiert einen Flug nach Mailand.

Raphael schildert alles sehr detailliert. Mit seinem Smartphone und einem Kaffeebecher stellt er eine Szene am Athener Flughafen nach. Wie er auf die Sicherheitsschleuse zugeht, sich dabei immer wieder am Kopf kratzt. Das vereinbarte Zeichen. Raphael betritt das Flugzeug, ohne kontrolliert worden zu sein. “Alles Mafia”, sagt er.

Über die Schweiz erreicht er die Bundesrepublik. Er hat keinen Pass. Er hat überhaupt nichts dabei. Er hat für seine Flucht insgesamt 10.000 Euro bezahlt.

 

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Luqa, der jüngste Bruder

 

Ende 2012 war Raphael nochmal in Griechenland. Er hat seinen jüngsten Bruder Luqa “abgeholt”, wie er sagt. Sie sind auch über die Türkei eingereist, “schwarz” natürlich. In welcher Stadt sie sich getroffen haben und wie sie über die Grenze gelangt sind? Dazu schweigt er.

Luqa ist glücklich in Deutschland, obwohl er den Rest der Familie vermisst. Sein Asylantrag wurde genehmigt. Er darf bleiben, für vorerst zwei Jahre. Raphael hatte ihm geraten, einfach die Wahrheit zu erzählen. “Andere lügen, aber wir sind Syrer”, sagt er. Raphael vermutet, dass viele Syrer, die in Deutschland leben, eigentlich Iraker sind. Als er vor vier Jahren seinen Asylantrag stellte, war es genau umgekehrt. Sein Dolmetscher riet ihm, sich als Iraker auszugeben. Dann hätte er bessere Chancen auf Asyl. Doch Raphael wollte nicht. Er blieb bei der Wahrheit.

Wenn der Krieg in Syrien enden sollte, muss Luqa wieder zurück. Raphael hat ihm geraten, in die Schule zu gehen und Deutsch zu lernen, doch er will lieber sofort arbeiten, um den Eltern und der Schwester in Syrien mehr Geld schicken zu können. Luqas Arbeitserlaubnis gilt erstmal für ein Jahr. Bei einem arabischen Friseur in München hatte er bereits eine Stelle: Haare fegen, Köpfe shampoonieren, den Chef beim Schneiden unterstützten. Dann weisen ihn die Behörden darauf hin, dass er nicht außerhalb seines Landkreises im Münchner Umland arbeiten darf. Es wird ihm auch untersagt, in die Wohnung seines Bruders zu ziehen. Raphael stellt einen Antrag, um Luqa zu sich nach München zu holen. Doch in Bayern gilt eine strengere Residenzpflicht als in den meisten Bundesländern. Die Ausländerbehörde vertröstet ihn.

Die Brüder treffen sich trotzdem täglich. Und reden über die Zukunft. Sie gehen nicht aus, machen keinen Urlaub. Alle drei Monate schicken sie 500 Euro nach Syrien.

Bereits bei der ersten Begegnung im Sommer 2013 sagt Raphael, er habe viele Ideen. Wie er Hunayn im Libanon “abholen” kann, seine Schwester in Syrien. Er sei jetzt selbst eine Mafia: “Ich habe alles gelernt.” Bei diesen Worten lehnt er sich zurück und breitet die Arme weit vor sich aus, so als sei er stolz auf dieses Wissen. Raphael klingt bitter. Er lächelt, aber sein Blick geht ins Leere.

Kurz danach hätte es Raphael fast geschafft, Hunayn nach Deutschland zu holen. Eine Frau ist bereit, eine Scheinehe einzugehen – gegen ein “Brautgeld” von 10.000 Euro. Doch kurz bevor es ernst wird, bekommt sie Angst vor den Behörden, sagt ab.

Trotz solcher Rückschläge, Raphaels Ziel bleibt es, seine Familie illegal nach Deutschland zu holen. “Doch es wird immer schwieriger”, sagt er. Die Grenzkontrollen seien strenger, die Schlepper noch skrupelloser geworden. Immer mehr Schleuser führten die Flüchtlinge bewusst hinters Lichts; jetzt, da es so viele versuchten. Die Preise lägen mittlerweile bei 25.000 Euro und mehr. Als Raphael Luqa geholt hat, sei es nur ein Bruchteil gewesen. Das Geld auf seinem Konto reicht damals so gerade. Nun arbeitete er einfach weiter, sagt er, so lange, bis er genug für die ganze Familie zusammen habe.

Einige Monate will Raphael abwarten, ob nicht doch noch ein Antrag bewilligt wird. Falls nicht, wird er wieder sein eigenes Ding drehen, wie er sagt. Er wolle keinen Ärger. “Doch ich habe keine andere Wahl.”

 

Dieser Artikel wurde im Dezember 2014 für Süddeutsche.de und das Projekt “360° Europas Flüchtlingsdrama” aktualisiert.

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Fotos: Kathrin Wiewe